Veranstaltungen
Wir möchten praxisorientiertes Fachwissen aus allen Bereichen des
Dialogmarketings für Parteien, Kommunen und Verbände verfügbar
machen. Daher führt die Initiative ProDialog in Zusammenarbeit mit ihren
Partnern regelmäßig Fach- und Fortbildungsveranstaltungen durch.
Die Veranstaltungen finden in unserer Dialog-Lounge in der Dorotheenstraße 35
mitten im politischen Zentrum Berlins statt. Die Teilnahme ist kostenlos.
Chat mit Kerstin Plehwe
Warum verlieren Parteien und Politik so deutlich das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger? Liegt die Lösung des Problems in der Neuauflage eines gesellschaftlichen Dialogs, der seinen Namen auch verdient? Wie müsste ein solcher Dialog aussehen?
Datum30.03.2007 bis
Zeit14:00 bis 00:00
VeranstalterProDialog
Kerstin Plehwe, Vorsitzende der Initiative ProDialog, steht am Freitag, den 30. März, zwischen 14 und 15 Uhr zum Dialog an dieser Stelle im Live-Chat bereit. Gemeinsam mit den Chat-Nutzern möchte sie nach Wegen aus der Verdrossenheits-Falle suchen und von ihren Erfahrungen in der politischen Kommunikation im In- und Ausland berichten. Über neue Trends der politischen Kommunikation in den USA kann Plehwe aus erster Hand berichten - gerade kommt sie von einer Studienreise aus Washington, auf der sie die aktuellen Entwicklungen mit US-Wahlkämpfern und Experten diskutieren konnte.
Der Chatraum wird am Freitag ab 13 Uhr geöffnet.
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Chat-Transkript:
Moderator: Herzlich willkommen zum ProDialog-Chat mit Kerstin Plehwe,
Vorsitzende der Initiative ProDialog. Unser Thema ist heute
Politikverdrossenheit und was man dagegen unternehmen kann. Frau Plehwe
ist übrigens gerade von einer Studienreise aus Washington zurück, auf
der sie die aktuellen Entwicklungen mit US-Wahlkämpfern und Experten
diskutieren konnte.
delphi: Steigt die Politikverdrossenheit der Bürger in Zeiten der Großen
Koalition?
Kerstin Plehwe: Es kommt darauf an, an welchen Faktoren man
Politikverdrossenheit abliest. Wir betrachten vor allem die Zahlen der
Nichtwähler und die steigen massiv an. Nicht erst seit der Großen
Koalition, sondern seit den 80er Jahren kontinuierlich.
Undsonstso?: Sollten unkonventionelle Formen politischer Partizipation,
also Demonstrationen, Bürgerinitiativen, nicht stärker gefördert werden?
So dass man merkt, dass so etwas auch wirklich Einfluss auf die
Tagespolitik hat? Ich habe bis jetzt nur beim Irakkrieg miterlebt, dass
die Politiker auf die Meinung der Menschen auf der Straße hören.
Kerstin Plehwe: Der Vorteil an bürgerbetriebenen Verfahren ist ganz ohne
Zweifel, dass der Bürger und die Bürgerin direkt erlebt, wie sie ihr
Engagement und ihren Einfluss geltend machen können. In einer gesunden
Demokratie sollte meiner Meinung nach ein "sowohl als auch" realisiert
werden.
martina: Viele meiner Freunde behaupten immer, dass sie nicht zur Wahl
gehen, weil ihre Stimme eh nichts bringt und die Politiker sowieso
machen, was sie wollen. Wie kann ich sie vom Gegenteil überzeugen?
Kerstin Plehwe: Es gibt viele gute Argumente, wählen zu gehen. Das
beginnt im direkten Umfeld (Schule, Arbeitsstelle et cetera). Und es
geht weiter in der Akzeptanz des Fakts, dass jede nicht abgegebene
Stimme den unter Umständen ungewünschten politischen Kurs stärkt.
lilalu: Was kann man gegen Politikverdrossenheit denn tun? Was macht die
Initiative ProDialog dafür?
Kerstin Plehwe: Politikverdrossenheit oder genauer gesagt
Politikerverdrossenheit ist ein Phänomen, wogegen konkret etwas
unternommen werden kann. Die Initiative ProDialog hat beispielsweise
eine Aktion in Rheinland-Pfalz mit über 300.000 potentiellen
Nichtwählern durchgeführt und diese per Brief zum Urnengang animiert.
Die Ergebnisse wurden ausgewertet und es wurde deutlich, dass mit der
direkten und sehr konkreten Ansprache - übrigens in einem eher
unpolitischen Ton - Menschen mobilisiert werden können, zur Wahl zu gehen.
Blade77: Welche Erfahrungen haben Sie eigentlich in puncto Politik und
Partizipation(sprojekte)? Ist Ihnen das wirklich eine Herzenssache? Sie
haben doch vorher vor allem für die Industrie gearbeitet und im
Direktmarketing - und mit Demokratie hat das doch nicht so viel zu tun,
oder?
Kerstin Plehwe: Sie haben vollkommen recht. Zwischen Politik und
Wirtschaft besteht in der Zielsetzung ein großer Unterschied. In der
Wirtschaft geht es um den Abverkauf von Produkten oder Dienstleistungen,
in der Politik um das Schaffen von Konsens und Vermitteln von Inhalten.
Die Instrumente, die aber in beiden Bereichen eingesetzt werden können,
so zum Beispiel die Instrumente des Direkt-Marketing, sind aber per se
die gleichen.
Moderator: Kommen wir einmal zu Kerstin Plehwes Aufenthalt in den USA.
anfrank: Hallo Frau Plehwe! Worum ging es denn bei der Konferenz, auf
der Sie in Washington waren?
Kerstin Plehwe: Die Konferenz war an der George Washington-Universität
zum Thema "Politik online" und behandelte maßgeblich die neuen
Instrumente und Anwendungsbereiche des Internet (vor allem des Web 2.0)
für die politische Kommunikation.
Kirelli: Auf prodialog.org gibt es ein Blog über den US-Wahlkampf
allerdings ohne Kommentarfunktion. Wieso wird an dieser Stelle der für
Blogs typische Dialog verhindert?
Kerstin Plehwe: Kommentare zum US-Wahlkampfblog sind durchaus möglich
und erwünscht. Im Gegensatz zu anderen Blogs muss sich der
Kommentierende aber einmal registrieren. So wollen wir den hohen
Qualitätsanspruch der Leser erfüllen.
FK017: Was kann die deutsche Politik in Sachen Kommunikation von Amerika
lernen?
Kerstin Plehwe: Vieles. Man darf aber nicht vergessen, dass das
politische System und die Einstellung der Menschen zu Politik sehr
unterschiedlich ist. Was im aktuellen Präsidentschaftswahlkampf am
meisten auffällt, ist der sehr professionelle Einsatz von Vodcasts und
Web 2.0-Technologien.
Obama: Was halten Sie bis jetzt von dem Online-US-Wahlkampf?
Kerstin Plehwe: Zum einen gefällt mir ihr Benutzername :-) Zum anderen
ist auffällig, dass fast alle Kandidaten den intensiven und breiten
Dialog mit den Wählern forcieren.
Militia: Sie waren eben in den USA und haben den Wahlkampf beobachtet.
Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach das Internet wirklich? Haben Blogs
oder YouTube-Videos auch einen Einfluss außerhalb der Blogosphäre?
Kerstin Plehwe: Die Grenzen zwischen den Medien verschwinden immer mehr.
Das sieht man zum Beispiel daran, dass Blogs auf CNN zitiert werden oder
YouTube-Videos ihren Weg ins Fernsehen finden. Und das macht die Sache
natürlich auch um so spannender.
Moderator: Eine Nachfrage:
cjung: Aus was bestehen denn diese Web-2.0-Technologien, die dort zum
Einsatz kommen?
Kerstin Plehwe: Die Technologien per se sind nicht das eigentlich Neue.
Sondern eher die Anwendung bestehender Technologien mit einem Fokus auf
der deutlich stärkeren Einbindung des Internet-Nutzers und der Schaffung
von Möglichkeiten für ihn, selber gestaltend aktiv zu werden.
Christoph: Was haben Sie von der Konferenz konkret mitgenommen, was Sie
hier umsetzen können / wollen?
Kerstin Plehwe: Vieles, was nicht alles in einem einstündigen Chat
diskutiert werden kann. Deswegen an dieser Stelle schon die Einladung zu
einem Follow-Up bei ProDialog. Aber herausragende Themen waren aus
meiner Sicht erstens die Nutzung persönlicher Netzwerke für politische
Inhalte, zweitens das Thema politisches Entertainment (das politische
Branding von Online-Spielen) und drittens der Blick über den Tellerrand
von Web 2.0 hinaus. Hierbei wurde übrigens auch immer deutlich, dass es
in der Medienwahl für die politische Kommunikation kein "entweder oder",
also on- oder offline, sondern ein "sowohl als auch" geben wird.
shoffmann: Sie betonten den Einsatz von Web 2.0 und deren Anwendung für
die direkte Kommunikation der Politiker mit den Wählern. Was bedeutet
das für den hiesigen Wahlkampf? Für die deutschen Politiker?
Kerstin Plehwe: Das Web 2.0 eröffnet auch für die anstehenden Wahlkämpfe
in Deutschland neue Möglichkeiten für die Interaktion zwischen Politiker
und Wähler. Und mal sehen, wie das genutzt werden wird...
obama: Was halten Sie davon, dass Unterstützer von Obama die
YouTube-Zahlen seiner Videos manipuliert haben (sollen, Anm. der
Redaktion) - auch wenn die Macher davon nichts wussten. Wie geht man mit
solchem Aktionismus um?
Kerstin Plehwe: Meine Vermutung ist -- leider - dass dies nicht der erste
und auch nicht der letzte Fall von gut gemeintem, aber falschem
Aktionismus ist. Rechnen wird sich dies in keinem Fall, denn in einer
Welt der Kurzfristigkeit und extrem aufmerksamen Blogosphäre bleibt
nichts unentdeckt.
terrier07: Hat Ihrer Meinung nach der Wahlkampf in Web-2.0-Zeiten das
Auftreten der amerikanischen Politiker verändert?
Kerstin Plehwe: Ja, aber das kam nicht nur durch das Web 2.0, sondern
durch den Anstieg der Online-Mediennutzung und die gestiegenen Ansprüche
der Menschen an Authentizität. Heutzutage haben aufgesetzte Images und
hohle Kampagnenphrasen einen kurzen Lebenszyklus beim Bürger.
Penny: Glauben Sie, dass die Bürger sich durch Angebote im Internet mehr
an der Politik aktiv beteiligt? Es gibt ja wirklich viele sehr gute
Angebote im Netz, aber alle Umfragen zeigen, dass Politik das Letzte
ist, was Leute sich im Internet angucken...
Kerstin Plehwe: Ja, das glaube ich. Entscheidend ist aber die Aufmachung
und der Inhalt der Politik. Die große Aufgabe der Politik heute ist es,
in den Lebenswelten der Bürger wieder präsent zu werden. Das ist nicht
nur im Internet, aber auch dort.
qwertz: Bringt es eigentlich noch was nach Washington zu fahren, wenn
man ungefähr alles über das Internet mitbekommen kann?
Kerstin Plehwe: :-) Das ist ungefähr so, als ob sie fragen, ob
Internet-Dating genauso effektiv ist wie persönliches Dating. Das
persönliche Gespräch und der Austausch wird - Spaß beiseite - heute
leider oft in seiner Wichtigkeit unterschätzt.
Gnudel: Was können Politiker tun, um die Bürger mehr für Politik zu
begeistern? Offener und zugänglicher werden? Helfen dabei die Medien?
Kerstin Plehwe: Zum einen müssen Politiker lernen, die sehr komplex
gewordenen Inhalte zielgruppengerecht aufzubereiten. Konkretes Beispiel:
Die Vorteile einer Steuerreform sollte in einem ersten Schritt
denjenigen näher gebracht werden, für die es relevant ist - sprich, die
die Steuern zahlen - und nicht jeder Bürgerin und jedem Bürger
unabhängig von Alter und Sozialsituation.
Zum anderen muss der direkte Weg zu vielen Menschen gefunden werden. Es
reicht eben nicht mehr, sich auf den Infostand und das Wahlplakat zu
verlassen. Brief, E-Mail und Telefon sind solche Wege.
ArenA: Denken Sie, dass Onlinemedien gegen Politikverdrossenheit wirken?
Warum?
Kerstin Plehwe: Auch wenn mir keine wissenschaftlichen Ergebnisse
hierfür bekannt sind, glaube ich, dass die Möglichkeit der
Interaktivität und Crossmedialität des Internets gut dazu geeignet sind,
Politikverdrossenheit abzubauen. Denn eines ist klar: Wer sich
engagiert, sprich aktiv einbringt (und die Möglichkeit dazu hat),
verliert die Distanz zur Politik.
dollar: Warum verfolgen Sie nur den US-Wahlkampf? In Frankreich ist doch
auch ziemlich viel los.
Kerstin Plehwe: Wir verfolgen viele Wahlkämpfe. Unter anderem die
letzten Wahlkämpfe in England, aber auch den aktuellen in Frankreich.
Die großen Trends sind spannenderweise länderübergreifend wiederzufinden.
überwacher: Was ist überhaupt "Dialogmarketing"? Warum muss Dialog denn
mit Marketing vereinigt werden?
Kerstin Plehwe: Der Fachbegriff des Dialogmarketing beschreibt seit
vielen Jahren den Bereich des Marketing, der von Agenturen oft "below
the line" genannt wird. Der Begriff beinhaltet alle Medien, die dem
Empfänger die Möglichkeiten zum Response (zur Antwort) geben.
Zumnorde: Ist Politikverdrossenheit ein rein deutsches Problem? Wie
sieht es zum Beispiel in den USA aus?
Kerstin Plehwe: Es ist leider ein gesellschaftliches Phänomen, was in
vielen Ländern festgestellt werden kann. Wenn wir auch hierbei wieder
auf das Thema Nichtwähler schauen, stellen wir fest, dass der Anteil von
Nichtwählern in den USA noch höher als in Deutschland ist. Wir dürfen
aber nicht vergessen, dass das politische System in den USA (zwei
Parteien) wenig Gefahr für von Rechts oder Links mobilisierbare
Radikalpotenziale eröffnet.
Moderator: Eine Nachfrage:
shoffmann: Sie sprechen von Brief, E-Mail, Telefon. Letzteres ist im
Allgemeinen untersagt, E-Mail-Kontakt kann leicht als Spam verstanden
werden und Briefe landen schnell im Papierkorb. So ist ein Wahlkampf á
la USA hier kaum möglich. Binden die Gesetze damit nicht die Politiker
beziehungsweise Wahlkämpfer?
Kerstin Plehwe: Man muss sehr genau innerhalb der Medien unterscheiden,
welche Gesetzgebung trifft. Ein Brief zum Beispiel ist jederzeit
erlaubt, eine E-Mail nur nach vorheriger Einwilligung. Ich persönlich
glaube aber, dass der Trend insgesamt weiter wegführen wird von der
werblichen Ansprache hin zur (gewünschten) Kommunikation beziehungsweise
Dialogführung.
Moderator: Haben deutsche Politiker also weniger Möglichkeiten als die
us-amerikanischen?
Kerstin Plehwe: Ja. Das ist leider so. Zumindest aus Sicht derjenigen,
deren Aufgabe es ist, politische Inhalte zu vermitteln. Dennoch haben
die deutschen Politiker eine Vielzahl von Möglichkeiten, die auch heute
noch nicht ganz ausgeschöpft sind.
Meike: Welche Rollen spielen unabhängige Initiativen? Lassen sich die
Bürger von solchen eher überzeugen, zur Wahl zu gehen als von den Parteien?
Kerstin Plehwe: Initiativen aber auch Communities genießen oft ein
höheres Vertrauen beim Bürger als die Politik. Gerade deswegen gilt es,
sowohl entsprechende Initiativen zu stärken als auch der Politik zu
helfen, verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen.
Bodo: Gibt es nicht auch sehr große Unterschiede im Verhalten der
Generationen? Politiker kommen doch nur über neue Medien an junge Wähler.
Kerstin Plehwe: Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass die ältere
Generation nicht im Internet vertreten ist. Anders sieht die Sache bei
mobilen Medien und der Nutzung mobiler Dienste aus.
fragender: Hat die Politik überhaupt Interesse an Dialog mit dem Volk -
was wollen Sie mit ihrer Initiative ausrichten?
Kerstin Plehwe: Das Interesse der Politik am Dialog und am Bürger selbst
erleben wir jeden Tag in Beratungsgesprächen oder Seminaren. Oftmals
stehen allerdings interne Schwierigkeiten oder ganz einfach fehlendes
Wissen dem medialen Dialog mit dem Bürger entgegen. Gewünscht wird er
auf jeden Fall, denn auch der Politik ist klar, dass sie nur im Dialog
die Politik der Zukunft gestalten werden kann.
shoffmann: Welche unausgeschöpften Möglichkeiten der Übermittlung
politischer Inhalte sehen Sie?
Kerstin Plehwe: Das beginnt beim Kandidatenbrief, also der Vorstellung
des Kandidaten im Wahlkreis, geht weiter über eine zielgruppengerechte
Kommunikation des Umweltministeriums zu anstehenden
Klimaschutzaktivitäten, und endet noch lange nicht bei den besten
Wünschen der Kanzlerin per E-Mail zum Jahresende.
Blade77: Hallo Frau Plehwe, wie finanziert sich eigentlich Ihre
Organisation?
Kerstin Plehwe: Wie auf der Website ersichtlich, werden wir aus der
Wirtschaft finanziert (wofür wir dankbar sind). Unser Partner ist die
Deutsche Post.
dfg: Wie sieht eigentlich ein Arbeitstag von Ihnen aus?
Kerstin Plehwe: Wahrscheinlich ähnlich wie der von vielen von Ihnen.
Massen von E-Mails, viele Meetings, spannende Beratungsgespräche mit
Mitarbeitern aus Parteien oder Ministerien, und (mein Favorit) manchmal
ein Glas Rotwein abends am Gendarmenmarkt.
W-Lan: Was fanden Sie bis jetzt die interessanteste Veranstaltung von
ProDialog?
Kerstin Plehwe: Schwierige Frage. Wir decken ja viele Themen ab. Von der
direkten Demokratie in der Schweiz bis hin zu Videocasts im Wahlkampf
und dem perfekten Spendenbrief für Parteien. Unsere Gäste haben aber die
besten Bewertungen abgegeben für unsere Abendveranstaltungsserie
"Kampagnenmacher im Dialog".
Eple: Ist es nicht etwas paradox, Politikverdrossenheit mit Dialogen
entgegen zu wirken? Wenn kein Interesse an Politik besteht, wieso sollte
dann Bereitschaft zur Kommunikation vorhanden sein? Erreichen
Initiativen wie ProDialog nicht nur Menschen die sich sowieso schon
beteiligen?
Kerstin Plehwe: Überhaupt nicht. Denn das Vogel Strauss -Phänomen bringt
ja niemandem etwas. Viele Umfragen zeigen, dass die Bürger ein hohes
Interesse am Dialog mit der Politik haben, aber (ganz spannend)
vermuten, dass dort kein Interesse besteht. Diesem Irrtum kann und muss
man abhelfen. Zudem bin ich fest davon überzeugt, dass der Bürger sehr
wohl Interesse an einzelnen politischen Themen hat. Spätestens dann,
wenn sie sein direktes Leben betreffen - zum Beispiel Kindergartengeld
für Eltern mit Kindern.
Moderator: Die letzten Frage für heute, die Zeit ist leider schon fast um:
max: Beraten Sie alle politischen Parteien gleichermaßen?
Kerstin Plehwe: Hallo Max :-) Wir sind eine überparteiliche Initiative
und beraten deswegen alle demokratischen Parteien gleichermaßen.
Moderator: So, die Chatzeit ist fast um. Ein Schlusswort vielleicht noch?
Kerstin Plehwe: Gerne. Ich glaube wir stehen allesamt - ob Politiker,
Kommunikationsberater oder Wähler - vor einer großen Aufgabenstellung,
nämlich die Demokratie in Deutschland mit mehr Leben und Engagement zu
füllen. Da nützt es nichts, wenn der schwarze Peter von einem zum
anderen geschoben wird - zum Beispiel von der Politik zu den Medien und
umgekehrt. Die großen anstehenden Aufgaben müssen in einem breit
angelegten gesellschaftlichen Dialog gelöst werden. Und in dem dürfen
nicht nur die (leider wenigen) derzeitigen Wähler eingebunden sein.
Moderator: So, das war der Chat für heute. Vielen Dank an alle Chatter
und an Kerstin Plehwe von der Initiative ProDialog für das Beantworten
der Fragen.
Kerstin Plehwe: Ich wünsche schöne Ostertage, viel Sonne und natürlich
viele gute Dialoge.


