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19.08.2008

Nichtwähler: Die Macht der Stimmlosen

Galt es in den ersten Jahrzehnten der bundesrepublikanischen Geschichte noch als staatsbürgerliche Pflicht, wählen zu gehen, so gehört heute das Nichtwählen fast schon zum „guten Ton“: Bei der Bundestagswahl 2002 gaben 79 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, im Jahr 2005 waren es nur noch 77,7 Prozent, so gering war die Wahlbeteiligung noch bei keiner Bundestagswahl. Bei einigen Landtagswahlen ist die „Partei der Nichtwähler“ bereits zur stärksten Kraft geworden.

Wie Studien belegen, sind die Gründe für eine Wahlenthaltung verschieden. Sie sind so unterschiedlich wie die Milieus, aus denen die Nichtwähler stammen. Klar ist jedoch, der Nichtwähler ist mitnichten nur Vertreter so genannter bildungsferner Schichten - heutzutage haben ein Drittel der Wahlverweigerer Abitur, die Hälfte von ihnen sogar einen Hochschulabschluss. Nichtwählen ist ein Phänomen, das alle sozialen Schichten und politischen Färbungen durchzieht. Damit ist es zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem geworden, dem sich Parteien und Politiker stellen müssen. Nicht nur im direkten Vorfeld einer Wahl.
Aber bedeutet dieser Ansehens- und Attraktivitätsverlust der Politik auch gleich eine Delegitimierung des gesamten politischen Systems?

Das steigende Nichtwählerpotential ist nicht als generelle Ablehnung unserer Demokratie zu verstehen. Dies bestätigt auch die im Mai 2008 vorgelegte Nichtwählerstudie von ProDialog und Dimap anlässlich der Hamburger Bürgerschaftswahl: 80 Prozent der Befragten gaben an, Demokratie für die beste aller Staatsideen zu halten. Auch ein komplettes politisches Desinteresse kann man Nichtwählern nicht attestieren. Nichtwähler sind nicht politikverdrossen, sie haben nur wenig Vertrauen in regierende Parteien und Politiker, ihre wachsende Skepsis bezieht sich auf die Leistungen von Regierung und etablierten Parteien. Es herrscht das Gefühl vor, mit seiner Stimme ohnehin nichts bewirken zu können. Auch, weil man selten die Möglichkeit hat, mit „denen da oben“ einmal direkt in Kontakt zu treten. Fehlende Dialogmöglichkeiten verärgern Bürgerinnen und Bürger.

Dies zumindest müsste für alle Parteien ein deutliches Signal sein: Wenn die stärkere und persönlichere Ansprache der Bürgerinnen und Bürger sie zu erhöhter Wahlbeteiligung animieren kann, sollte diese Chance schleunigst ergriffen werden.

Die Nichtwählerstudie zur Hamburger Bürgerschaftswahl finden Sie hier.

 
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